All-Tags-Filou-Sofien
Nr. 1 - Sinnsuche

Das erste Mal als mich die Buchstaben ansprangen, stand ich vor der Post am Nordermarkt und wollte Briefe an liebe Freunde einwerfen. Auf der Klappe des großen Briefkastens klebte ein Aufkleber mit den Worten "Und Du? Was hast Du für einen Sinn?"

"Na toll!" seufzte ich, "Schon wieder ein neuer Werbegag der allseits unbeliebten Post. Als wenn das doppelte Lottchen Gottschalck nicht schon genug Schaden anrichtet!" Ich warf meine Post in den Briefkasten und drohte laut: "So - jetzt hast Du einen Sinn. Und wehe, wenn die Briefe wieder nicht ankommen!"

Die nächste Begegnung mit den ominösen Worten überraschte mich auf dem Frauenklo in meinem Stammcafé. Ich schaute in den Spiegel und siehe da: "Und Du? Was hast Du für einen Sinn?" - aus künstlerischer Sicht wertvoll auf den Spiegel geklebt. "Ja - was soll ich hier für einen Sinn haben?" grummelte ich "Natürlich Alkohol zu mir nehmen, möglichst reichlich, vielleicht ein paar nette Gespräch führen, etwas flirten. Was Mann/Frau halt so macht, abends in der Kneipe." Ich verließ die Örtlichkeit und wie geplant, so geschah es dann auch.

In den folgenden Tagen verfolgten mich die rätselhaften Aufkleber. Die ganze Stadt war damit zugepflastert. So kam es mir jedenfalls vor. Ständig wurde ich gezwungen, mir Gedanken um meine Daseinsberechtigung zu machen. Natürlich dachte ich auch über den Sinn bzw. Unsinn der aufgeklebten Botschaften nach. "Bestimmt wieder so ein besonders pseudo-engagiertes Kunstprojekt einer hiesigen Gruppe. Gibt ja genug davon. Wird bestimmt auch noch mit Finanzspritzen eines in geistiger Umnachtung lebenden Sponsors gefördert, diese Belästigung!" schimpfte ich in mich hinein.

Ich war vollkommen gestresst. Nicht wegen der Aufkleber. Da gab es anderes in meinem Leben. "Ich brauche mal wieder frische Luft", diagnostizierte ich und unternahm einen schönen Spaziergang in der trüben Novembersonne. Ich wollte die Straße Richtung Hafen überqueren, da fiel mein Blick auf die Ampel und da klebte: "Und jetzt?"

Das gab mir nun wirklich zu denken. Ich war in einem allgemein zerrütteten Gemütszustand. Der Spaziergang allein brachte auch keine Änderung meiner Lage. Vielleicht sollte ich mal richtig ausspannen, Urlaub machen unter fremder Sonne, neue Eindrücke sammeln. Und schon fühlte ich mich etwas besser. Ich lief munter weiter und starrte an der Hafenspitze auf ein großes weißes Plakat mit den schwarzen Buchstaben
"P A U S E".

Dizzy/Fl/11/2000

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Author: Désirée Märtin Go to People ...

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