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Eine Antwort auf: Der ganz banale Hype

iia eue

SHORTCUTS

HYPE
1. U2 - All That You Can't Leave Behind
2. Nils Petter Molvaer - Solid Ether
3. Johnny Cash - Love, God & Murder
4. Johnny Cash - Solitary Man
5. Talk Talk - London 1986
6. Björk - SelmaSongs
7. Miles Davis - Live Around The World
8. The Cure - Bloodflowers
9. Gavin Friday - Shag Tobacco
10. David Bowie - Hours
11. Soundtrack - The Million Dollar Hotel
"Andere Generation"? Ist es tatsächlich so, dass man sich selbst - in KATEGORISCHEM Urteil - da nicht mehr vertreten fühlt, nicht mehr 'mitschwimmt' / mitschwimmen will? Ich meine, ich bin manchmal ein bisschen sehr ums jeweils Neue bemüht - versuche, eigenen Sturm & Drang (Abstraktes, das dahinter stand) im jetzigen der "Nachgewachsenen", mit denen ich mich zwangsläufig austausche an Uni usw., wiederzuerkennen.

Und dann wird klar, dass es andere Formen & Inhalte sind, und der Hype, wie wir ihn alle heute betreiben, gehört dazu (wäre auch komisch, wenn man sich gegenseitig im Präsentationsdrang bremsen würde - man muss es nicht übertreiben, aber so, wie ich es von früher in Erinnerung habe, von der Allgemeinheit nämlich "zurückgepfiffen" zu werden, möcht' ich's auch nicht haben.

Das Bedürfnis (zu tun, zu machen, zu schreiben, auf eigene Faust) bleibt, und das erkämpfen sich die Jüngeren immer jeweils neu, und mittlerweile sind es die Leute "meiner" Generation, die ihnen immer was dagegen sagen wollen, und sie sind teilweise bereits gesellschaftlich legitimiert dazu - sie nicht ernst zu nehmen (eben nicht: ihr gleiches Streben darin zu erkennen/anzuerkennen), ihre Alt-Rebellion auf den Sockel zu stellen (wie Du es richtigerweise, später, von den Frustrierten, geschildert hast - von denen DU schon genervt warst).

Ich kann das schon verstehen - raus aus der Lähmung, der Tradition, die lange Zeit Schreiben eher verhindern wollte / in 70ern hieß es durchgängig: was k ö n n e man denn noch schreiben, allen Ernstes - Erzählprosa schon mal gar nicht. Und Lyrik? Na ja... - auch nur Zwang, Konvention gewesen, damals so zu denken (übliche Anpasserei, so wie man heute auch nicht wahrhaben will, in bestimmten Aspekten so zu denken, wie, heute zu denken, Konvention ist und nicht "Erkenntnis"). Heute geht's wieder, alle Welt zeigt's. Und wenn man sich als Schreiber dazu eben auch mal bewusst ignorant+arrogant zeigen muss / zeigen, dass man den ganzen Kanon und alles, was war, gar nicht immer bis ins letzte kennen m u s s, verinnerlicht haben muss, um selbst zu schaffen (wie einem Pädagogen jedweder Richtung seit Äonen weismachen wollen).

Andererseits ist's natürlich klar, der AgeSet, mit der gemeinsamen Geschichte (aus der man irgendwann "rausgewachsen" ist / sein sollte und dann auf dem Sofa sitzt). Mit der gemeinsamen Sprache, gemeinsam gehabten Hoffnungen - da versteht man sich natürlich schon instinktiv, auch mit Blicken, und mit den Spätergeborenen ist das nicht ganz gleich. Und die Ziele haben oft eher die aus den Augen verloren, die auf ihre frühere formale Ausprägung pochen (die ganzen Äusserlichkeiten, b e s t i m m t e r Art, wie man k o r r e k t revoluzzt).

Aber ich merke, ich schweife ab, zuviel Eigenes. Muss mich kürzer, für Mail-Verhältnisse, fassen. Und, weil ich gleich zur Vorlesung muss. Deshalb weiter, kurz+willkürlich (keine Komplett-Rezeption): Finde's schonmal auch gut, dass Du Stuckrad-Barre differenziert abhandelst. Er wird, für meinen Geschmack, zu oft schnell so als Schlagwort im negativen Sinne gebraucht, meist von Leuten, die nix Primäres gelesen haben.

Ich habe grad' mal "Black Box", das Neue, gelesen. Und: fand's gut, in seiner Direktheit und Bosheit. Das hat seine Berechtigung, und es hat viel mit dem eben von mir Angesprochenen zu tun. Der macht ja auch nix Anderes, es ist "Zufällig Erlebtes" aufgearbeitet, dann eben mit all diesen Promis und Halbpromis. Und keiner kommt irgendwie gut weg. Und das haben die alle irgendwie auch mal verdient, auf ihren Sockeln. Nix heilig.

Klar, dass er dann auch schonmal über's Ziel hinausschiesst. Da heißt es, 'Alarm zu pfeifen'. Oder auch, zu sehen, dass das keine perfekten 'Lebenswerke' - früherer Konvention nach - sind, sondern eher so Dahingerotztes. Gleichzeitig macht es das ja genau aus, und in weitergehender Beschäftigung würde es das verlieren... Usw., usw.

Jedenfalls find' ich auch seine Anregung "Stop Irony!" überdenkenswert - früher musste man die tumbe, ernste Allgemeinheit immer darauf aufmerksam machen: Achtung, jetzt wird's ironisch. Mittlerweile, wo alles sich eloquent und wunderbar aufgeklärt-sarkastisch wähnt, ist's doch umgekehrt, und man muss mal fragen, was man eigentlich 'ernsthaft' (geht es noch ohne Apostrophs, auch bei mir?) will.
Usw.

Jedenfalls ist es bei den Schreibkollegen, mit denen man meist zusammentrifft, eher ü b l i c h , Stuckrad+Co. schnell+abfällig-kurz (wenn überhaupt) zu erwähnen, und meist gönnt man's ja doch einfach nur nicht so, den Erfolg. Blödsinn, alles. Wie sonst. Menschen in Gruppen. Immer nur ja schnell abgrenzen. Bla, bla. Ich werde zu guruhaft, wieder. Vielleicht sollte ich irgendwann doch die verdammte Sekte gründen?!

Lies! Mach! Schreib weiter! "Nicht-Intellektuell"? Ist doch Koketterie, Mann. Klar ist das intellektuell, von Dir, kann man auch sagen. Und "lediglich" Cafés? Ist denn andere Rezeption "mehr wert"? Finanziell, klar. Aber sonst? Dieser ganze bürgerliche Kanon, unter dem wir Schreibenden ja auch irgendwie leiden, es uns schwermachen, die Wertigkeiten - Stuckrad-Barre kann man prima im Schwimmbad lesen. In der Sonne liegend hab ich's aufgenommen. Knackige Literatur und knackige Bräune, ich hatte was davon. Das "getrost nach Hause" tragen ist ja eher kontraproduktiv, führt nur zu "1 Meter Goethe" in der Schrankwand. Passend (vor Möbelkauf auszumessen, pro Band des Gesamten), aber ungelesen.

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Author: iia eue Go to People ...


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