Michael Herr, 1999 in New York
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Michael Herr's
»Dispatches«
Teil I: Über das Buch
"Everything in Dispatches happened for me, even if it didn't necessarily happen to me."
Michael Herr ging 1967 als freier Journalist nach Vietnam. Er brauchte fünf Jahre, um aus seinen Auszeichnungen für die Zeitschriften Esquire, Rolling Stone und New American Review ein Buch über den ersten Rock- und Drogenkrieg der Geschichte zu machen. Ein Buch, das die Zerstörung durch den Krieg bis in die Sprache hinein festhält.
Kaum ein anderes zeitgeschichtliches Buch wurde mehr diskutiert, hat mehr bewegt. Francis Ford Coppolas Vietnam-Film Apocalypse Now basiert in weiten Teilen auf diesem Buch, das mit dem internationalen Pressepreis ausgezeichnet wurde.
Michael Herr, der den Krieg an der Front, in den Urwäldern, Dörfern, Schützengräben und Flüchtlingslagern Vietnams mitmachte, sah alles aus der Perspektive der amerikanischen Soldaten, die wussten, was man von ihnen verlangte, aber nicht was mit ihnen - im alltäglichen Umgang mit dem Grauen - geschah.
Herr macht klar, was Krieg im 20. Jahrhundert bedeutet. An die Hölle verraten - so der deutsche, mittlerweile vergriffene Titel - ist aber auch das Dokument einer persönlichen Zerstörung. Herr, der beobachtende Reporter, berichtet über diesen Krieg in Bildern und in einer Sprache, die so aggressiv sind wie der Krieg selbst. Oft spiegelt sich der Zusammenbruch aller grossen Worte in der Syntax wider. Aus diesen Trümmern wächst die Erkenntnis, dass die Zeit des American Dream endgültig vorbei ist. Herr demonstriert, dass in Vietnam alles zerbrochen wurde, was in der Verfassung von 1776 versprochen worden war.
Zitate
"Michael Herrs Kriegsbericht über Vietnam ist nicht nüchtern, ausgewogen, abgerundet. Er ist verzerrt: von den Verhältnissen, unter denen er schreibt, im Hubschrauber, im Schützengraben, im Bunker. Er meidet die Pressekonferenzen, auf denen die Generäle ihre Siege feierten, die in der Nacht zur Niederlage wurden. Herr macht sich gemein mit den Soldaten, die irgendwo aus dem Mittelwesten ... zwangsverpflichtet wurden, im Dschungel Indochinas einen Gegner zu vernichten, dessen politisches Ziel sie nicht einmal kannten. Herr sitzt unten und notiert, wie Vietnam so unbewohnbar wird wie nur der Mond."
Hessischer Rundfunk
"Michael Herrs Reportage vom amerikanischen Babylon der 60er Jahre ... ist das erschütterndste, ehrlichste, moralischste Buch über diese napalmverseuchten Jahre. Was er dem Soldatenjargon ablauschte, stellt klassische Kriegsbücher wie die von Remarque, Plivier und Hemingway glatt in den Schatten."
Der Abend
Exklusiv für PROPAGANDA: hat René Märtin dem Autor und seinem Werk eine längere, literatur- wie gesellschaftskritische Abhandlung gewidmet:
Michael Herr's »Dispatches«
Teil II. Was dieses Buch bedeutet ("Who'll play the Indians?")
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