Pressefoto Nils Petter Molvaer
Solid Ether

ECM

SHORTCUTS

HYPE
1. U2 - All That You Can't Leave Behind
2. Nils Petter Molvaer - Solid Ether
3. Johnny Cash - Love, God & Murder
4. Johnny Cash - Solitary Man
5. Talk Talk - London 1986
6. Björk - SelmaSongs
7. Miles Davis - Live Around The World
8. The Cure - Bloodflowers
9. Gavin Friday - Shag Tobacco
10. David Bowie - Hours
11. Soundtrack - The Million Dollar Hotel
Es gibt die schöne Story, dass Nils Petter Molvær jeden Morgen seine vierjährige Tochter Vilde aufs Fahrrad setzt und quer durch Oslo radelt, um sie in den Kindergarten zu bringen. Auf dem neuen Album des Trompeters, "Solid Ether", sind da nun auch die Stücke "Vilderness1" und "Vilderness2", die von der Liebe zum Töchterchen zeugen.

Dann erzählt man sich Geschichten vom Eigenbrödler Nils, der sich die Einsamkeit zum monatelangen Tüfteln in sein Studio holt, die er in seiner nordischen stillen wie leeren Heimat kennengelernt hat: Er wurde 1960 auf der norwegischen Insel Sula geboren, studierte in Trondheim und ging später in die Jazz-Kapitale Skandinaviens - Oslo.

Und ich erinnere mich an den unscheinbaren und nachlässig gekleideten Mann in der Mitte der Bühne, neulich in Bonn. Kaum eine Bewegung entlockten ihm die wummernden Beats, alles in allem nahm er sich zurück und es war eigentlich, als wäre nur die Trompete im Vordergrund. Dagegen steht der Hype, den einige Zeitgenossen proben, indem sie den ruhigen Norweger zum "neuen Miles Davis", zum "Propheten des Nordens" hochjubeln. Doch vom Mr. Cool Jazz hat Nils Petter Molvær weder das Spiel, noch den Habitus. Dafür aber trat er bereits vor etwas über zwei Jahren mit der Komposition "Khmer" ein gewisses Erbe von Miles Davis an.

Das Debüt "Khmer" (1998) ist eine äußerst filigrane Produktion, die Ambient, Trip Hop, Big Beat, Hip Hop und eben Jazz vereint.
Unmöglichen Klangexperimenten hat Nils Petter Molvær da den Weg bereitet und die Kritiker überschlagen sich, selbst der Dancefloor wird mit einigen Remixen bedient und Molvær öffnet damit einer neuen skandinavischen Crossover-Kultur Tür und Tor.

So auch das Folgealbum "Solid Ether": Atmosphärisch dichte Klangkollagen, unterbrochen von der zerbrechlichen wie klaren Linienführung der Trompete, die - und da ist dann doch die Ähnlichkeit zu Miles Davis - ins unermesslich Hohe wegstürzt. Das darf die Presse dann auch ruhig "New Jazz" nennen.
Meine Empfehlung.

[Available in English]

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Editor: René Märtin Go to People ...


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